🌿 Essbare Hotelbepflanzung unter alpinen Bedingungen
SPA&Wellness Garten
Bepflanzungskonzept & Umsetzung für Innenhof Hotel&SPA-Bereich.
Projektübersicht
Begrünung Hotel Innenhof/Outdoor-SPA Bereich
Ort: Innenhof Hotel Schweizerhof Lenzerheide, Graubünden
Höhenlage: ca. 1’500 m ü. M. (voralpine Höhenlage)
Zeitraum: 2024/2025 (Essbare Landschaft), Begrünungsarbeiten seit 2016/2017
Auftraggeberin: Hotel Schweizerhof, Lenzerheide (Direktorin Claudia Züllig)
Begrünungskonzept: Nicole Peier, Charlie Bee - EDEN FÜR JEDEN, Dottikon
Gartenbau & Technik: Roger Marti, Gartenbau Schaniel, Malans (GR)
Pflanzkonzept: Essbare Landschaft
Gesamtfläche Innenhof: ca. 500m2 (inkl. Baumbestand, Rasen, Kies)
Gesamtfläche Terrasse: ca. 100m2
Begrünung: ca. 20 Hochbeete, Corten-Schalen, Pflanztröge & Kübel
Planung Begrünungskonzept: Winter-Frühling 2024/2025
Gartenbau/Bepflanzung: Anfang Mai 2024/2025 (Schaniel & Charlie Bee)
Gartenpflege/Pflegekonzept: Charlie Bee - EDEN FÜR JEDEN (pflegeextensiv)
Grundrissplan Innenhof SPA-Bereich
Grundriss Architektur: Innenhof Hotel Schweizerhof: Oudoor-SPA & Wellnessbereich.
Hotelbegrünung mit Herausforderungen
Anfang Mai, knapp 5 Grad: Bepflanzungsstart im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Nicole Peier (Charlie Bee, Pflanzplanung) in Kooperation mit Roger Marti & Schaniel Gartenbau, Malans (GR).
Ausgangslage
Der Innenhof des Spa-Bereichs im Hotel Schweizerhof Lenzerheide ist kein klassischer Gartenraum, sondern ein frequentierter, multifunktionaler Aussenbereich, der Wellness, Aufenthalt, Durchwegung und Sport & Spiel miteinander verbindet. Er dient Spa-Gästen in Bademänteln ebenso wie Familien mit Kindern, funktioniert als Aufenthaltsort, Feuerwehrzufahrt, Übergangsraum und zeitweise auch als Bewegungs- und Spielbereich mit Trampolin und Veloparcours.
Die Bepflanzung übernimmt dabei eine zentrale Rolle: Sie soll Atmosphäre schaffen, Zonen andeuten, Schutz und Geborgenheit vermitteln, ohne die betrieblichen Abläufe zu behindern oder den Raum zu stark zu besetzen. Gleichzeitig muss sie unter alpinen Standortbedingungen und mit begrenzten Pflegekapazitäten zuverlässig funktionieren.
Standort & klimatische Rahmenbedingungen
Mit einer Höhenlage von rund 1’500 Metern über Meer ist der Standort durch ausgeprägte klimatische Extreme geprägt:
Sehr kurze Vegetationszeit: etwa von Mai bis Oktober
Spätfrost im Frühling und frühe Wintereinbrüche im Herbst
Feuchte Frühjahrsmonate mit unregelmässigen Niederschlägen & Schlagschatten
Starke sommerliche Aufheizung durch Beton-, Kies- und Holzflächen im Innenhof
Grosse Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht
Schneelast und Schneedruck im Winter, teilweise isolierend, teilweise belastend
Von Innen nach Aussen: Sicht von der Passerelle zwischen Hotel- & SPA-Bereich in den multifunktionalen Innenhof mit Feuerwehrzufahrt und Terrassenbegrünung.
Diese Bedingungen wirken sich besonders stark aus, da ein Grossteil der Pflanzen in Gefässen ohne direkten Bodenanschluss steht und damit stärker auf Wasser-, Temperatur- und Pflegefehler reagiert als bodengebundene Pflanzungen.
Betriebsrealität & Pflege
Die Pflege erfolgt im Hotelalltag durch Hotelmitarbeitende und nicht durch spezialisierte Gärtner:innen. Daraus ergeben sich realistische Rahmenbedingungen:
unregelmässige Bewässerung
wechselnde Betreuung
keine hohe Pflegeintensität möglich
robuste, fehlertolerante Leitpflanzen wählen
Einheimische Wildstauden wie Blutweiderich, Rhabarber, Majoran, Straussfarn und sogar Wasabi haben sich über mehrere Winter, nasse Frühjahre und heisse Sommer gut gehalten.
Die Pflanzplanung muss daher standortgerecht und betrieblich tragfähig sein. Rein ästhetische Konzepte ohne Bezug zur Pflegepraxis sind hier praktisch kaum umsetzbar.
Pflanzkonzept: Zeitgemäss, robust in Wetterextremen und nutzbar
Die Begrünung des Innenhofs ist bewusst als Mischpflanzung angelegt. Sie verbindet dauerhafte Strukturen mit saisonal nutzbaren Pflanzen, reduziert den klassischen Wechselflor und setzt stattdessen auf Kontinuität, Sinnlichkeit und gezielte Ergänzung.
Dauerhafte Strukturen
Gräser und robuste Stauden bilden das Rückgrat der Pflanzung. Sie sorgen für Raumwirkung, Volumen, Bewegung und eine klare, zeitgemässe Anmutung:
Robustes Chinaschilf und saisonale Kräuter (Rosmarin im Bac sac) geben Struktur.
Reitgras ‘Karl Foerster’
Gräser- & Schilfarten (Sesleria, Miscanthus, Blauschwingel)
Lythrum salicaria (Blutweiderich)
Straußenfarn und weitere robuste Stauden für halbschattige Standorte
Diese Pflanzen tragen die Gestaltung über Jahre hinweg und funktionieren auch unter wechselnden Bedingungen zuverlässig.
Sinnlich nutzbare Pflanzen
Ein zentrales Element der Planung ist die Mehrfachnutzung der Pflanzen. Sie sind nicht nur visuell wirksam, sondern duftend, essbar und im Alltag integrierbar:
Agastache rugosa – aromatisch, blühfreudig
Fenchel (Foeniculum vulgare) – essbar, strukturstark
Oregano – robust, vielseitig einsetzbar
Sedum spectabile – langlebig, trockenheits- und frosttolerant
Rhabarber – stabiler Blattakzent mit Nutzwert
Wasabi – überraschend winterhart, mehrfach überwintert
Essbare Blüten wie Tagetes – Farbe, Duft und Geschmack
Diese Pflanzen werden gezielt für Spa-Tee, Bar, Küche und sensorisches Erleben eingesetzt und schaffen eine direkte Verbindung zwischen Aussenraum und Nutzung.
Saisonale Ergänzungen
Nicht alle Pflanzen sind auf Dauer angelegt – und das ist bewusst so. Bestimmte Kräuter und Blühpflanzen werden saisonal ergänzt, um Lebendigkeit, Duft und Blüte zu verstärken, ohne den Pflege- oder Kostenaufwand stark zu erhöhen:
Basilikum (auch als Hochform)
Zitronenverbene für Tee und Duft
Rosmarin, Salbei, Pfefferminze (Kochgewürz, Tee, Cocktail)
Dahlien & Tagetes (essbare Blüten)
Diese Pflanzen überleben den Winter nicht, werden aber gezielt eingesetzt, um den saisonalen Wechsel erlebbar zu machen. Entscheidend ist:
Es wird nicht alles jedes Jahr neu gepflanzt, sondern nur dort ergänzt, wo es gestalterisch und funktional sinnvoll ist.
Erkenntnisse aus der Praxis
Die langjährige Begleitung des Projekts hat klare Ergebnisse gezeigt:
Sehr gut funktionierend
Blutweiderich, Gräser, Farne
Agastache, Fenchel, Oregano
Sedum, Rhabarber, Wasabi
Bergminze, Katzenminze, Kerzenknöterich
Biodiversität auf kleinem Raum: Wildstauden, Reitgräser, Farne, Kräuter, Gemüsestauden & essbare Blüten.
Eingeschränkt geeignete Pflanzen
Mediterrane Kräuter wie Thymian, Salbei, Rosmarin
(zu feucht, zu kühl, zu wenig konstant sonnig)Echinacea & Cosmeen
(zu viel Schatten, Schneckenfrass, kurze optimale Phase)
Diese Erfahrungen zeigen deutlich:
Nicht die Herkunft der Pflanzen ist entscheidend, sondern ihre Anpassungsfähigkeit an Winternässe, Spätfröste im Frühling, Schneckenbefall und Sommerhitze im Innenhof.
Gestalterische Haltung & Atmosphäre
Die Bepflanzung ist keine floristische Inszenierung, sondern eine zeitgemässe, strukturierte und atmosphärische Pflanzung, die sich bewusst von klassischem Saisonflor absetzt:
Gräser als moderne Strukturgeber
Stauden mit langer Präsenz statt kurzer Effekte
Duft, Textur und Bewegung statt grosser Blüten
Cortenstahlgefässe als architektonischer Bezug
leichte Zonierung für Privatsphäre ohne Abschottung
So entsteht eine ruhige, sinnliche und gleichzeitig lebendige Atmosphäre, die zum Spa-Kontext passt und den Innenhof als Aufenthaltsraum stärkt.
Entwicklung & Perspektive
Die aktuelle Situation ist zeitgemäss und mobil, aber nicht als fixer Endzustand gedacht. Mit der geplanten Erneuerung des Holzdecks eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit, Pflanzung stärker in die Fläche zu integrieren – etwa durch grössere, organisch geformte Pflanzinseln, luftige Gehölze für leichten Schatten oder ergänzende Elemente wie Kneipp-Becken oder Feuerstelle.
Ob und in welchem Umfang diese Schritte umgesetzt werden, ist Teil einer laufenden Entwicklungs- und Investitionsphase. Die Pflanzplanung versteht sich dabei nicht als fixe Lösung, sondern als strategischer Prozess, der sich an Nutzung, Betrieb und Möglichkeiten orientiert.
Fazit
Der Spa-Innenhof des Hotel Schweizerhof Lenzerheide zeigt exemplarisch, wie Pflanzplanung unter alpinen Bedingungen gelingen kann, wenn Standort, Pflegepraxis und Nutzung ernst genommen werden. Die bewusste Mischung aus robusten Stauden, Gräsern, Heil- und Küchenkräutern sowie gezielten saisonalen Ergänzungen schafft eine langlebige, zeitgemässe und sinnlich erfahrbare Begrünung.
Das Projekt steht für eine ehrliche, praxisnahe und zugleich gestalterisch anspruchsvolle Pflanzplanung, die nicht auf kurzfristige Effekte setzt, sondern auf Qualität, Nutzung und Entwicklung über Jahre hinweg.

