🌿 Gärten entstehen zuerst im Kopf

Warum gute Pflanzkonzepte im Winter beginnen

Winterliche Entwurfsarbeit in der Pflanzplanung für den Klimagarten im Gartenatelier Domat-Ems. Foto: Gärtner Graf Academy, MASTERCLASS «Gestalten mit Pflanzen»

Durchdachte Gärten starten nicht auf der Baustelle, sondern im Kopf.

Die meisten Gärten werden im Frühling gebaut. Viele beginnen dann auch erst, sich ernsthaft mit ihrem Aussenraum zu beschäftigen. Die Umsetzung rückt in den Vordergrund, Termine, Verfügbarkeiten, Budgets. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden.

Planung braucht Zeit – nicht Geschwindigkeit

Pflanzplanung ist kein linearer Prozess. Sie entsteht nicht aus einer Abfolge von Entscheidungen, sondern aus vernetztem Denken. Aus Beobachtung, aus Auseinandersetzung mit Ort, Architektur und Nutzung.

Entwurfsskizze und Visualisierung eines Hotelgartens im Innenhof – Übergang zwischen Innen- und Aussenraum.

Im Gegensatz zum Innenraum ist der Garten kein statisch kontrollierbarer Raum. Er besteht aus lebender Materie, aus Wachstum, Veränderung und Jahreszeiten. Diese Dynamik lässt sich nicht vollständig theoretisch abhandeln, das kann der Mensch erst in der Natur draussen erleben.

Jahreszeiten- und Blütezeitenkalender einer Hecke mit höhengestuftem Staudenbeet

Gerade Staudenpflanzungen erschliessen sich selten im ersten Moment. Oft zeigt sich ihre Qualität erst nach einer gewissen Zeit: wenn Pflanzen eingewachsen sind, wenn sich Höhenstaffelungen ausgebildet haben, wenn Farbbilder sich entwickeln und Übergänge lesbar sind. Häufig braucht es ein bis zwei Jahre, bis sich ein Garten wirklich zeigt.

Begrünungskonzept einer Mischstaudenpflanzung von schattiger bis sonniger Lage.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass sich Auftraggeber:innen erst dann wirklich mit dem Aussenraum auseinandersetzen, wenn erste Vorschläge vorliegen. Vorher bleibt der Aussenraum abstrakt. Man weiss, dass man ihn gestalten möchte – aber nicht wie er sich anfühlen soll.

Das ist kein Mangel an Interesse, sondern ein struktureller Unterschied zum Innenraum:
Innenarchitektur ist vertraut. Möbel, Farben, Materialien lassen sich leicht vorstellen.
Pflanzengestaltung hingegen arbeitet mit lebender Materie, mit Zeit, Veränderung und Dynamik. Das macht sie komplex und vielfältig in Pflanzenverwendung, Raum und Zeit.

Pflanzplanung als Entwurfsarbeit

Pflanzplanung bedeutet nicht, Flächen zu füllen.
Sie bedeutet, Räume mit Pflanzen zu gestalten.

Pflanzen schaffen Tiefen, Übergänge und Kontraste. Sie formen Räume, ohne sie zu schliessen. Sie erzeugen Atmosphären, die sich über Jahreszeiten verändern. Farben erscheinen nicht statisch, sondern in Abfolgen. Texturen wechseln, Höhen verschieben sich, Lichtverhältnisse verändern die Wirkung.

Pflanzenlisten mit botanischen Namen dienen Gartengestaltern mehr als Laien. Für Kunden dienen Pflanzenbilder & Moodboards der besseren Vorstellungskraft.

Technische Fragen – Boden, Klima, Exposition – sind die Grundlage dieser Arbeit.
Aber der Entwurf selbst entsteht aus Bildern: aus dem Ort, aus der Architektur, aus der Nutzung, aus der Vision, welche Art von Raum hier entstehen soll.

Mit Café (!) & Stiften: Nicole Peier, Pflanzplanung & Begrünungskonzepte, in der Weiterbildung ‘MASTERCLASS GESTALTEN mit Pflanzen’ (Foto: Gärtner Graf Academy).

Gartenperspektiven: Wie soll sich der Übergang vom Haus in den Garten anfühlen?
Wo entsteht Offenheit, wo Schutz?
Wo Dynamik, wo Ruhe?

Diese inneren Bilder lassen sich nicht unter Zeitdruck entwickeln.

Warum der Winter dafür der richtige Moment ist

Die ruhigeren Monate bieten Distanz zum Baustellenalltag. Sie erlauben es, Varianten zu denken, Ideen zu verwerfen und neu zu kombinieren. Entwürfe dürfen reifen, statt sofort umgesetzt zu werden.

Entwurfsphase: Grobskizzierte Flächenberechnungen Gartengrundriss und ungefähr geplante Grünflächen.

Gerade bei Staudenpflanzungen, bei komplexeren Begrünungskonzepten oder bei klimaangepassten Freiräumen braucht es diese Phase. Erst wenn Vorschläge sichtbar werden – als Skizzen, Pflanzbilder, Referenzen oder Visualisierungen – beginnt der eigentliche Dialog.

Viele Auftraggeber:innen sagen mir rückblickend:
Erst als ich deine Gartenideen gehört und deine Gestaltungsentwürfe gesehen habe, konnte ich mir den neuen Bepflanzungsstil besser vorstellen.

Aussenraum als Teil der Architektur denken

Funktionierende Pflanzplanung steht nicht losgelöst von der Architektur – sie arbeitet mit ihr. Manchmal im Gleichklang, manchmal im bewussten Kontrast. Entscheidend ist die das Grundkonzept und die dazu passende Bepflanzungsmethode.

Die Auswahl der Pflanzmethode beeinflusst nicht nur das Design, sondern auch den Planungsaufwand, Pflegeintensität und Biodiversität. (Schema: MASTERCLASS ‘23-’25)

Wer innen klare, reduzierte Räume lebt, sucht draussen oft ebenfalls eine bewusste Gestaltung – nicht zwingend dieselbe Sprache, aber eine stimmige Ergänzung. Andere wünschen sich gezielt Gegensätze: mehr Bewegung, mehr Wildheit, mehr Lebendigkeit.

Diese Entscheidungen lassen sich nicht erzwingen. Sie entstehen im Prozess.

Ein Plädoyer für frühe Pflanzplanung

Nicht jeder Garten muss komplex sein.
Aber jeder Garten profitiert davon, früh gedacht zu werden.

Pflanzplanung ist kein Add-on am Ende eines Bauprojekts. Sie ist Teil der räumlichen Gesamtidee – und gewinnt an Qualität, wenn man ihr Zeit gibt. Zeit zum Denken, zum Entwerfen, zum Vorstellen.

Grundrissplanung eines mediterranen Dachgartens mit hitzeverträglichen Pflanzen.

Der Frühling ist ideal zum Pflanzen, wie auch der Herbst.
Gute Gärten spriessen jedoch früher in Entwürfen und Gartenplanungen.

Pflanzplanung beginnt nicht mit dem ersten Spatenstich, sondern mit einer Vision. Die Winterruhe ist ideale Gartenplanungszeit.
— Nicole Peier Pflanzplanungen, Charlie Bee - Eden für Jeden
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🌿 Wie ein architektonisches Farbkonzept im Garten lesbar wird: Anorak-Haus Risch (ZG)